Zusammenziehen als Paar

Zusammenziehen als „kritischer Übergang“ in der Beziehung

Das Zusammenziehen eines Paares in eine gemeinsame Wohnung ist ein sogenannter „kritischer Übergang“ in der Beziehung, und zwar der Übergang vom Alleinleben in einer eigenen Wohnung (oder eigenen Wohnsituation wie z.B. einem eigenen Zimmer in einer Wohngemeinschaft) zum Zusammenleben in einer gemeinsamen Wohnung.
Und dieser Übergang in eine neue Wohnsituation stellt das Paar vor Veränderungen:
Bisherige eigene Wohngewohnheiten müssen zwangläufig neu betrachtet, hinterfragt und gegebenenfalls neu erfunden werden.

Der erste Schritt als Paar: Aufmerksamkeit auf die neue Herausforderung legen

Während Sie gerade diese Zeilen lesen und sich damit Informationen und Hilfe bei mir als Diplom-Psychologin suchen, haben Sie schon einen großen Schritt in Richtung der Bewältigung dieser neuen Situation gemacht: Sie haben erkannt, dass das Zusammenziehen für die Beziehung eine besondere Herausforderung ist, die besondere Aufmerksamkeit benötigt. Das ist nicht selbstverständlich, denn nicht selten wird diese Tatsache von Paaren nicht (rechtzeitig) erkannt.

Unvorbereitetes Zusammenziehen kann das Paar in die Krise stürzen

Wenn das Paar ohne diese Erkenntnis spontan, überwiegend unreflektiert und teils ohne Absprachen zusammenzieht z.B. mit dem Gefühl „Das wird schon funktionieren, wir lieben uns ja!“ – ergeben sich daraus hartnäckige Streitereien und teils schwere Beziehungsprobleme während des Zusammenwohnens.

Was sind typische Probleme beim Zusammenziehen?

Wenn Paare erstmals zusammenziehen, um einen gemeinsamen Haushalt zu führen, stellt dies die Paarbeziehung vor eine neue Herausforderung. Denn im täglichen Zusammenleben müssen neue Regeln gefunden werden, Wünsche geäußert und Grenzen gesetzt werden. Zum Beispiel stellt sich die Frage nach der Ordnung. Wie sauber, wie aufgeräumt soll es sein. Wie wird die Spülmaschine ausgeräumt und das Geschirr im Schrank angeordnet? Wer übernimmt welche Haushaltsaufgaben. Beim Aussuchen der Einrichtung kann ein unterschiedlicher Geschmack oder Stil ein Problem sein.
Außerdem  gibt es vielleicht unterschiedliche Einkommensverhältnisse, die die Kaufkraft des Einzelnen beschränken und dadurch die Wahl einschränken. Dies kann ebenfalls zu Streitigkeiten führen, wenn das Paar den Anspruch hat, alle Kosten zur Hälfte zu teilen.

Wer darf was und wieviel entscheiden?

Beim Zusammenziehen eines Paares  taucht also grundsätzlich die Frage auf, wer letztendlich wie häufig entscheidet, was gemacht oder gekauft wird. Dadurch werden vielleicht zum ersten Mal eindrücklich bestehende Machtverhältnisse in der Beziehung offensichtlich. Dies kann dann zu Machtkämpfen und Streitigkeiten führen. Auch die Frage nach gemeinsamen und getrennten Bereichen (eigenes Zimmer ja oder nein) und der Nähe und Distanz innerhalb einer gemeinsamen Wohnung sind typische Themen einer Paartherapie anlässlich des Zusammenziehens.

Kann man sich auf das Zusammenziehen als Paar vorbereiten?

Am besten ist es, wenn man sich als Paar schon vor dem Zusammenziehen und am besten auch schon vor Anmieten einer gemeinsamen Wohnung Gedanken dazu macht und gemeinsame Absprachen und Übereinkünfte aushandelt. Auch ist es wichtig für beide zu wissen, aus welchem Grund der andere mit einem selbst in eine gemeinsame Wohnung ziehen möchte. Welche Motivation steckt bei dem anderen dahinter – vielleicht ist es bei dem einen das Bedürfnis, mehr Nähe und gemeinsame romantische Zeit miteinander zu verbringen, bei dem anderen aber nur, Geld zu sparen, oder es ist das Bedürfnis gemeinsam Kinder zu bekommen und großzuziehen oder es ist einfach das Bedürfnis von den Eltern wegzukommen egal wohin. Die Motivationen können unterschiedlich sein und man sollte nicht automatisch nicht davon ausgehen, dass es bei dem anderen dieselben Gründen sind. Man sollte sich darüber austauschen und dem anderen die Beweggründe für das Zusammenziehen dem anderen ehrlich mitzuteilen.

Zusammenziehen sollte sich für beide lohnen

Gibt es Unterschiede in den Gründen für das Zusammenziehen? Sind beide gleich stark entschlossen? Auch falls Sie z.B. nur aus rein finanziellen und praktischen Gründen zusammenziehen möchten, ist es wichtig, dass die andere Person in der Beziehung dies weiß und sie sich vorab überlegen kann, wie sie selber das sieht und ob das für sie in Ordnung ist oder ob für sie z.B. romantische Motive im Vordergrund stehen. Schließlich gibt man ja auch etwas auf, nämlich die eigene Wohnsituation mit vielleicht liebgewordene Wohngewohnheiten. Das sollte sich dann für beide lohnen.
Durch eine solche Transparenz der Motivationen können spätere Enttäuschungen vermieden werden, weil man vorher Bescheid weiß, was der andere beabsichtigt und man selber vor dem Zusammenziehen die Wahl hat und entscheiden kann, ob das für einen attraktiv genug ist. Wenn dann beide dahinterstehen und motiviert sind, zusammenzuziehen, ist das eine gute Basis für das Finden von konkreten Lösungen für Alltagsprobleme.

Was tun, wenn man erst nach dem Zusammenziehen als Paar merkt, dass es Probleme gibt

Vielleicht gehören Sie aber auch zu den Paaren, die schon zusammen wohnen und vorab nicht die Gelegenheit hatten, sich damit vertieft zu beschäftigen und jetzt gemerkt haben, dass sich Probleme ergeben haben?
Die gute Nachricht ist: Stecken Sie den Kopf nicht in den Sand, denn auch hier kann man im Nachhinein deutlich etwas verbessern, wenn beide dies möchten und motiviert sind. Das ist zwar schwieriger als wenn das schon vorab geschehen ist, weil höchstwahrscheinlich schon Verletzungen durch Streitereien stattgefunden haben, die wieder geheilt werden müssen. Allerdings können zusammen trotzdem gute Lösungen für das Zusammenwohnen in einer gemeinsamen Wohnung gefunden werden.

Paarberatung als Unterstützung für das Zusammenwohnen als Paar

Bei diesen Problemgesprächen und Verhandlungen können Kommunikationsfähigkeiten von Vorteil sein, wie man Sie z.B. bei mir in einer Paarberatung erwerben kann, damit die Gespräche auf einer konstruktiven und wertschätzenden Ebene stattfinden können.

Es ist außerdem hilfreich, durch die Unterstützung einer neutralen Fachperson Lösungen zu finden, die beide zufriedenstellen.

So kann das Zusammenwohnen nach einer begleiteten Umstellungsphase einfach nur noch genossen werden, wenn man gute Lösungen und Kompromisse für Probleme gefunden hat. Denn das Zusammenwohnen vertieft eine Beziehung und kann sie sehr bereichern, so dass beide glücklicher sind.