Paartherapie – Allgemeine Beziehungsprobleme

Beziehungsprobleme kommen im Alltag häufig vor.  Viele Paare glauben aber, mit ihren Problemen alleine zu sein.

Es gibt aber viele Beziehungsaufgaben und Beziehungsprobleme, die in bestimmten Lebensphasen und in bestimmten Paarkonstellationen immer wieder auftauchen.
Hier kann eine Paartherapie bzw. Paarberatung hilfreich sein, um diese Beziehungsprobleme besser zu verstehen und zu bewältigen.

Es gibt bestimmte Lebensphasen und Lebensübergänge, die für Paare  besondere Beziehungsprobleme und Stress bedeuten.
Manche Umbrüche, die man eigentlich als positiv einstuft, stellen das Paar dennoch vor große Herausforderungen. Die Beziehung wird in besonderer Weise auf den Prüfstand gestellt.

Beziehungsprobleme bei Untreue

Untreue führt zu starken Beziehungsproblemen und ist sehr oft der Grund, eine Paartherapie oder Ehetherapie zu beginnen.
Denn Paare – unabhängig davon, ob sie heterosexuell oder homosexuell sind – geraten in eine große Krise, wenn Treue vereinbart wurde, aber ein Partner oder eine Partnerin aus der Beziehung „ausbricht“. Wenn dann – meistens heimlich hinter dem Rücken des anderen – sexuelle Kontakte zu Dritten gesucht werden, eine Affäre begonnen wird oder die Vorstellung an das Fremdgehen ständig in der Phantasie mit dem geheimen Wunsch nach Verwirklichung durchgespielt wird. Ausführlichere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier.

Beziehungsprobleme beim Zusammenziehen

Wenn Paare erstmals zusammenziehen, um einen gemeinsamen Haushalt zu führen, stellt dies die Paarbeziehung vor eine neue Herausforderung. Denn im täglichen Zusammenleben müssen neue Regeln gefunden werden, Wünsche geäußert und Grenzen gesetzt werden. Zum Beispiel stellt sich die Frage nach der Ordnung. Wie sauber, wie aufgeräumt soll es sein. Wie wird die Spülmaschine ausgeräumt und das Geschirr im Schrank angeordnet? Wer übernimmt welche Haushaltsaufgaben. Beim Aussuchen der Einrichtung kann ein unterschiedlicher Geschmack oder Stil ein Problem sein. Außerdem  gibt es vielleicht unterschiedliche Einkommensverhältnisse, die die Kaufkraft des Einzelnen beschränken und dadurch die Wahl einschränken. Dies kann ebenfalls zu Streitigkeiten führen, wenn das Paar den Anspruch hat, alle Kosten zur Hälfte zu teilen. Beim Zusammenziehen eines Paares  taucht also grundsätzlich die Frage auf, wer letztendlich wie häufig entscheidet, was gemacht oder gekauft wird. Dadurch werden vielleicht zum ersten Mal eindrücklich bestehende Machtverhältnisse in der Beziehung offensichtlich. Dies kann dann zu Machtkämpfen und Streitigkeiten führen. Auch die Frage nach gemeinsamen und getrennten Bereichen (eigenes Zimmer ja oder nein) und der Nähe und Distanz innerhalb einer gemeinsamen Wohnung sind typische Themen einer Paartherapie anlässlich des Zusammenziehens.

Beziehungsprobleme aufgrund Heirat oder Verpartnerung

Das Eingehen einer Ehe oder Eingetragenen Lebenspartnerschaft bedeutet ein Aneinanderrücken in der Beziehung. Die Bindung wird enger, das Paar geht gegenseitige rechtliche und finanzielle Verpflichtungen ein. Eine Trennung ist durch das Trennungsjahr und das verpflichtende Familiengericht, das die Scheidung durchführt, erschwert. Daher wird vor der Heirat oder Verpartnerung die Beziehung auf Herz und Nieren geprüft. Möchte ich wirklich auf Dauer mit diesem Menschen zusammenleben? Schwelende Konflikte können hervorbrechen. Auf einmal scheint es vermeintlich bessere Alternativen zu geben. Die Fälle, in denen sich die Braut (oder der Bräutigam) nicht traut, gibt es nicht nur im Kino. Dies ist im Alltag häufiger anzutreffen als viele annehmen. Eine Paartherapie kann dabei im Vorfeld vor einer Heirat oder Verpartnerung helfen bestehende Probleme z.B: Kommunikationsprobleme zu lösen. Eigene bisher offengebliebene Wünsche an die Beziehung können in Bezug auf die Realisierbarkeit besprochen werden.

Beziehungsprobleme bei Kinderwunsch

Viele Paare wünschen sich Kinder. Doch was ist, wenn das nicht beide gleich empfinden und ein Partner oder eine Partnerin lieber ohne Kinder leben würde oder man sich über die Anzahl der Kinder nicht einig ist? Möchte ich ein zweites Kind? Was ist, wenn eine Unfruchtbarkeit oder die finanzielle Not dem Kinderwunsch im Wege steht? Hier können im Rahmen einer Paartherapie Absprachen getroffen und Kompromisse gefunden werden.

Lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, intersexuelle und queere Paare (LSBTIQ* – Paare) haben darüber hinaus das Problem, dass sie sich überlegen müssen, wie genau und mit welchen Eltern sie ein Kind bekommen wollen und in welcher Weise sie selbst als Eltern und ihr Wunschkind später Diskriminierung und Ressentiments ausgesetzt sein werden. Bei dieser Klärung kann ebenfalls eine Paarberatung helfen.

Beziehungsprobleme bei Unfruchtbarkeit

Bei Unfruchtbarkeit kann der teils lange medizinische Prozess bei künstlicher Befruchtung die Liebe belasten. Durch die medizinische Planung findet die Sexualität nicht mehr nur spontan statt, sondern muss zu einem bestimmten Zeitpunkt gelebt werden, damit die Chancen der Befruchtung möglichst hoch sind. Dies kann die Liebe und das Begehren auf Dauer aushöhlen. Zu Beginn einer Paartherapie fallen dann von den Klient_innen nicht selten Sätze wie z.B: „Ich hasse mein Kind! Jetzt haben wir ein Baby und meine Beziehung ist kaputt!“. Paartherapie kann dann dabei helfen, wieder positiven Kontakt zueinander zu finden.

Beziehungsprobleme bei vorhandenen Kindern

Wenn Kinder da sind, bedeutet dies eine große Herausforderung für Paare bzw. die Familie. Plötzlich steht das Kind im Vordergrund, häufig fühlt sich eine Partnerin oder ein Partner zurückgesetzt. Bedürfnisse müssen zwangsläufig zurückgestellt werden. Die persönlich Freiheit als Individuum ist eingeschränkt. Eifersucht, Schlafmangel, zurückgestellte Karrieren und althergebrachte unflexible Rollenmuster führen häufig zu einer Krise bei Paaren.

Beziehungsprobleme bei Patchworkfamilie

Besondere Schwierigkeiten und Belastungen können für Paare auch auftreten, wenn das Paar nach einer Trennung von einem Partner/ einer Partnerin ein oder mehrere Kinder mit in eine neue Beziehung einbringt. Der Stress, der durch die Scheidung oder Trennung vom Expartner oder der Expartnerin entsteht, kann genauso belastend und schwierig sein wie der Aufbau eines guten Verhältnisses von Stiefvater/ Stiefmutter zu den Stiefkindern. Außerdem können Spannungen entstehen, wenn der Expartner oder die Exparterin die Kinder für alte Beziehungskonflikte instrumentalisiert. Es entsteht häufig eine schwierige Dreierkonstellation zwischen sich selbst als neuem/r LiebespartnerIn, dem oder der neuen PartnerIn, die Kinder aus einer vorherigen Beziehung mitbringt, und dem alten Beziehungspartner, also dem Elternteil aus der ursprünglichen Beziehung. Häufig empfindet der/ die neue PartnerIn eine solche Dreierkonstellation als schwierig und spannungsgeladen. Spannungen können dann z.B. daher kommen, dass der oder die alte PartnerIn mit dem/r alten BeziehungspartnerIn gerne noch öffentlich als Familie und Beziehung auftreten möchte. Dies kann im besten Fall zu Missverständnissen führen, die in der Paartherapie leicht geklärt werden können. Im schlechtesten Fall hat der oder die alte BeziehungspartnerIn tatsächlich noch Beziehungswünsche und Ansprüche an den alten, jetzt getrennten Liebespartner und versucht über den Weg des elterlichen Kontaktes wieder Kontakt zur alten Liebesbeziehung zu bekommen. Dies kann in der neuen Beziehung in letzterem Fall zu durchaus berechtigter Eifersucht führen. Hier hilft die Paartherapeutin weiter, indem sie mit dem neuen Liebespaar möglichst an konkreten Situationen genau herausarbeitet, wie die Beziehung zum Elternteil der vorherigen Beziehung aktuell geartet ist. Ist die Trennung vom dem oder der alten LiebespartnerIn vollständig gelungen oder bestehen noch Bindungen, die über einen elterlichen Kontakt hinausgehen? Auf dieser Basis können auch für den Alltag mit dem Kind oder mit der Umgangsregelung zum anderen Elternteil der vorherigen Liebesbeziehung einvernehmliche Absprachen getroffen werden.

Beziehungsprobleme bei Tod der Eltern

Auch beim Tod der Eltern geraten viele Paare in die Krise. Manchmal ist ein Partner/ eine Partnerin mit der Trauer des anderen überfordert. Oft sind es auch die dem Tod vorausgehenden Umstände wie Pflege oder Demenz der Eltern, die die Partnerschaft über Jahre mit einem zusätzlichen Stress belasten. Auch eine Erbschaft kann eine Partnerschaft teilweise belasten, zum Beispiel, wenn ein Partner/ eine Partnerin wieder zurück in das Elternhaus ziehen möchte oder Erbschaftskonflikte mit anderen Angehörigen die Partnerschaft belasten.

Beziehungsprobleme wegen Krankheit

Eine starke Belastung für eine Partnerschaft kann auch eine Krankheit  bei einem der beiden oder bei einem Kind sein. Der erhöhte Stress, die geringer werdende Belastbarkeit bei dem kranken Partner/ der kranken Partnerin, die Ängste vor den Folgen der Krankheit, Schmerzen und andere zusätzliche Belastungen einer Erkrankung, stellen die Beziehungen vor besondere Herausforderungen.

Beziehungsprobleme bei Arbeitslosigkeit

Auch bei auftretender Arbeitslosigkeit kann das Paar in eine Krise geraten, da es unter Umständen von Armut oder einer Verschlechterung des Lebensstandards bedroht ist. Dies wirkt sich häufig negativ auf das Selbstwertgefühl des/ der Arbeitslosen aus, was sich auch in der Partnerschaft bemerkbar macht. Die Krise kann verschärft werden, wenn man den Stress und Unmut aneinander auslässt oder eine Schuldzuweisung stattfindet, dass der Partner/ die Partnerin nicht genügend gegen die Arbeitslosigkeit unternähme.

Beziehungsprobleme bei Übergang in die Rente

Der Übergang in die Rente kann ebenfalls zu einer Krise in der Partnerschaft führen, da der bisherige Lebensrhythmus  des Paares  sich verändern muss. Eine neue Lebensaufgabe muss gefunden werden, die Beziehung muss sich neu justieren. Zusammenwohnende Paare  verleben plötzlich teils erheblich mehr gemeinsame Zeit miteinander. Die Rückzugsräume müssen neu ausgehandelt werden. Der berufliche Kontakt und damit häufig auch die Wertschätzung durch andere fehlt. An die Beziehung wird dann ein stärkerer Wunsch nach Wertschätzung herangetragen, um dies auszugleichen. Und evtl. bereits in der Vergangenheit existierende fehlende Wertschätzung oder zu geringe Aufmerksamkeit in der Beziehung fallen mehr auf. Das alles kann manch ein Paar in die Krise bringen.

Beziehungsprobleme bei Swinger- Paaren, Polygamie und Polyamorie

Ein Paar kann sich gegenseitig ausdrücklich in einer offenen Beziehungsabsprache sexuelle Kontakte mit teils häufiger wechselnden anderen Partnern und Partnerinnen erlauben (Swinger Paare). Diese Paare führen eine offene Beziehung oder offene Ehe. Swingen wird durch die ausschließliche Fokussierung auf  das sexuelle Erleben charakterisiert. Es geht also nicht um Liebe oder die persönliche Beziehung zum anderen beim Swingen, sondern nur um das sexuelle Erlebnis an sich.  Dabei vereinbart jedes Swinger Paar ganz individuelle Regeln, was dem anderen beim sexuellen Spiel erlaubt ist und was nicht. Die individuellen Absprachen und Definitionen unterscheiden sich dabei von Paar zu Paar.  Swinger Paare erleben es aber immer als Fremdgehen und Untreue, wenn der andere Partner oder die andere Partnerin vereinbarte Regeln verletzt. Dann schaut sich die Paartherapeutin zusammen mit dem Paar ganz  konkret diese individuellen Absprachen des  Paares genau an und analysiert, wo einer der Liebespartner diese Regeln verletzt hat. Zum Beispiel empfinden es Swinger Paare häufig als Verletzung und Untreue, wenn sich einer oder eine von beiden in einen dritten sexuellen Kontakt verliebt.  Das Paar erarbeitet dann in der Paartherapie, was die Ursachen sind und wie sie solche Regelverletzungen in Zukunft verhindern können.

Ein Paar kann auch in beidseitigem Einverständnis Polyamorie vereinbaren. Das bedeutet dann, dass das VerIieben in Dritte beiden erlaubt ist. Dann dürfen mehrere Liebesbeziehungen gleichzeitig parallel gelebt werden. Auch hier schaut sich das Polyamorie Paar in der Paartherapie die eigenen miteinander konkret vereinbarten Beziehungsregeln an. Zum Beispiel könnte ein Paar die Anzahl der zusätzlichen Liebesbeziehungen durch eine Vereinbarung begrenzt haben. Oder ein Paar vereinbart, wie viel  Zeit sie sich für ihre Beziehung reservieren wollen und was in Notfällen geschehen soll.

Regenbogenfamilie

Besonderen Herausforderungen sind auch LSBTIQ Paare gegenübergestellt. Neben den typischen Problemen von Patchworkfamilien kommen bei ihnen häufig noch Probleme der Akzeptanz bzw. Wertschätzung der Gesellschaft gegenüber ihrer Lebensweise hinzu. Das immer noch weit verbreitete Bild der „Vater-Mutter-Kind“ – Familie als „normale“ Familie, die Ablehnung von Lesben,Schwulen, Bisexuellen, trans*, inter* oder queer orientierten Menschen (LSBTIQ) als Mütter oder Väter und die Schwierigkeiten der gesellschaftlichen Aktzeptanz bei bewusster Entscheidung für ein Wunschkind kann ein Paar in besonderer Weise belasten.

Lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, intersexuelle oder queere Paare (LSBTI): Auswirkungen von Diskriminierung bei Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, Transsexuellen, Intersexuellen und queeren Menschen

Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Transsexuelle, Intersexuelle oder queere Menschen (LSBTI) sind auch in der heutigen Zeit häufig noch Diskriminierungen, Voruteilen und Ressentiments ausgesetzt. Lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, intersexuelle und queere Paare (LSBTI – Paare) betrifft dies potenziert, vor allem, wenn sie offen leben.  Immerhin ein Fünftel der Bevölkerung in NRW hat noch homophobe Einstellungen. Dies reicht von Fragen bei einem lesbischen Paar „wer ist denn bei Euch der Mann?“ über Vorurteile, alle Schwulen seien tuntig und hätten in der Modebranche zu tun bis hin zu Ausgrenzungen und Mobbing am Arbeitsplatz sowie Ablehnung durch die eigene Herkunftsfamilie, der Schwierigkeit, z.B. als  homosexuelles oder queeres Paar eine gemeinsame Wohnung zu finden oder im Extremfall zu Gewalterfahrungen aufgrund von Homophobie und Transphobie. Dies belastet die Partnerschaft, löst Stress aus und kann sogar dazu führen, dass es Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans* oder queer orientierten Menschen schwerer fällt, sich offen zu ihrer Partnerschaft, zu ihrer geschlechtlichen Identität und sexuellen Orientierung zu bekennen. Weitere informationen dazu finden Sie hier.